Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118960--7698-3119228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
denen dieses Dichters Kernworte bleiben werden und sein Tiefstes mitschwingt: Für jene, die nun ewig schweigen müssen: Ich danke euch! — Daß Treue auf der Welt ist, Läßt leichter leben uns — (ein wenig leiser, fast für sich:) mag sein, auch leichter sterben! Dann, nachdem er sich schon gesammelt hat, erblickt David Tarkuh, den verwundeten Todesboten, und noch sehen wir David, wie er stockt, sich zu täuschen glaubt, sich mit der Hand über die Augen wischt, plötzlich alle zur Seite fegt, aufschreit, warum Tarkuh nicht bei Maächa blieb, sich ratlos umsieht: „Was hat keiner Mut zu sagen?“ Und wie er dann die Nachricht erfährt, zusammenbricht, mit kaum bewegten Lippen von neuem fragt, aus dem todesmatten Boten mit leeren Augen die Geschichte von Maächas Tode herausfragt, verzweifelt aufstöhnt, als Tarkuh von der Einbalsamierung berichtet: „Das — das dir — mein Armes!“ Und sofort darauf die feierlich jubelnden Tubarufe, die lanzenhohen Fackeln und von allen Seiten der dröhnende Antrag, mit dem sie auf David einstürmen: die Krone anzunehmen. Ward je in solcher Laun’ ein König gekrönt? Und wie David ablehnt, immer wieder, er ist zu wund, „ein wundes Tier darf sich verkriechen“, bis dann „der Alte“ kommt, der Namenlose, der Ruhige, Bestimmte, gegen den sich David nicht wehren kann, wie ers auch versucht: „Spinn mich nicht ein mit deinen Dunkel- 245