Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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weniger als die irgendeines jüdischen Dramatikers, und wäre es selbst der virtuoseste Bühnentechniker, Lesedramen, sie schreien nach Darstellung, nach hörbarem, spürbarem, sichtbarem, buntem, lebendigem Ausdruck — mit Musik, mit malerischem, fast mit filmischem Effekt und darstellerischem Einsatz, denn sie sind „Gesamtkunstwerk“ im lügnerischen Sinn —, sie brauchen diesen Ausdruck so ganz und gar, daß kaum ein Theater ihnen gewachsen sein kann, und sie haben doch diesen Ausdruck schon so ganz und gar in sich, sie sind so sprechend, so musikalisch und malerisch und plastisch, so eindringlich packend geschrieben, sie stellen sich schon selbst, schon im Buch so zwingend dar, daß man auch im Lesen gleich mitverzaubert ist, hingerissen wie im großartigsten Theater. — Was hier also im Vorspiel nur verdämmernd und stumm einen Augenblick lang vor unseren Augen stehen soll, diese Traumvision vom jungen David vor der Krönung, das lebt nun aus dem ersten Davidstück herüber, das lebt mit aller wild-erhabenen, tragischen Schmerzgewalt von neuem in uns auf. Wir sehen David nicht nur wie eine stumme, stille Erscheinung reglos vor uns, wir glauben, ihn eben auftreten zu sehen, wir zittern wieder um ihn, denn Maächa ist tot, Davids Frau, die Getreuen wissen es, nur er selbst weiß es noch nicht, sie wollen es ihm erst sagen, wenn er die Krone angenommen hat, diese grausame Dumpfheit des Wissens der Anderen und seines Nichtwissens ist in der Luft, wenn er auftritt und den Ältesten die Worte sagt, in 244