Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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den „Graf von Gharolais“ finden wir folgenden Satz: „Die Pause zwischen dem vierten und fünften Akt. die Selbstverständlichkeit, mit der Sie über das Entscheidende, das doch nur ein Zufälliges wäre, wenn im Leben nicht die Oberfläche entschiede, sondern das Wesen, hinweggeben, ist das Größte an Ihrer Dichtung.“ Und ebenso fehlen in „Jaäkobs Traum“ und im „Jungen David“ die scheinbar entscheidenden Episoden der Historie, weil... der Dramatiker kein Historiker, der Lyriker kein Logiker im Schulsinne zu sein braucht, sondern das Entscheidende, das ja zufällig wäre, wenn das Wesentliche entschiede, als selbstverständlich voraussetzen muß. Das hier im Schlaflied und in Beer-Hofmanns Schaffen überhaupt Entscheidende, das verschwiegene, weil selbstverständliche Zwischenglied besagt: die Wendung aus der Welt des Einzelnen in die Welt der Gesamtheit, der Gemeinschaft. Halten wir dem dramatischen Aufbau des Ganzen folgend die letzte, hier also vierte Strophe für die eigentlich fünfte, den fünften Akt, so müßte dem Sinn nach in der in Wirklichkeit nicht vorhandenen vierten •stehen: Ja, mein Kind, du siehst noch Schein, darum Sonnen, ja, wir sind jeder allein, ja, es gibt keine Erbschaft, keine Unsterblichkeit, aber das alles gilt für „keinen“, nämlich nur für jeden Einzelnen als Einzelnen, das Gegenteil aber gilt für uns alle als Gesamtheit! Denn wir sind einzeln nichts, wir sind erst als Gemeinschaft. — Und dann erst folgt die letzte Strophe. 16 241