Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118960--7691-3119221- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wechsel von Masken“, seine Tragik liegt in dem Bewußtsein der Wirklichkeit, des Nicht-nur-Maske- Seins: „Masken meint ihr? Nicht Masken! Denn wo wäre mehr Wahrheit als in dem Antlitz, das er jedem gab.“ Um den Preis des „Einverständnisses*4 mit der Welt erhebt der Dichter alles Spektakelhafte, Renaissancehafte, Nur-Englische ins Tragische, Zeitlose, Allmenschliche. Aber der Preis ist zu hoch, der Graf wird ein Hiob, auf die großen Fragen gibt es keine Antwort, die Summe: Vanitas —, die kein Ibsen am greisen Ende des Sturms auf die Realität trostloser ziehen könnte, ist pessimistisch, und selbst der Nebengewinn des Dramas für uns, die kleine Judenrolle darin, die „der rote Itzig“ heißt und als eine Korrektur des Shylock gelten darf, ist doch auch nur eine Abrechnung, ein Abschied von jener großartig trostlosen, elisabethanischen, europäischen, nicht unseren Welt. 4. Wann das „Schlaflied für Mirjam“ entstanden ist, darf uns gleichgültig sein, seiner Art und Wirkung nach steht es hinter dem Abschluß der „Frühwerke“ und im Anfang des biblischen Lebenswerkes. Es ist reine Musik, keine Programm- Musik. Es ist so durchweg jüdisch, daß es gewissermaßen die nationale Hymne der jüdischen Jugend geworden ist, obwohl außer dem Namen Mirjam in der Überschrift und in einer Verszeile nichts ausdrücklich Jüdisches darin gefunden wer- 238