Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118960--7689-3119219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
seit Jaäkobs Traum, seit Jaäkob Israel wurde. Wofür er später in seinem Jaäkobs-Drama den gültigsten Wahrheitsbeweis antreten sollte. Diese Art von Judesein, besser: Israelsein, ist ihm ja, nicht wie Herzl und den anderen jüdischen Schriftstellern und Politikern seit Heine, so an- und eingeboren, daß kein Flucht- und Heimkehrgefühl, wie es Ghetto, Emanzipation, Zionismus hervorrufen, Raum in seiner Sprach- und Denkwelt hat. 3. „Der Graf von Charolais“ ist von Beer-Hofmann nicht ersonnen. Nicht weil große Dichter nie „erfinden“, diese Theorie ist fadenscheinig, der Don Quijote straft sie Lügen, sondern weil Beer-Hofmann hier eben erst anfängt, er selbst zu werden, was man nur kann, wenn man sich mit dem Fremden, dem Nicht-Ich, der uneignen Welt auseinandersetzt. Das Drama war ursprünglich ein Schauerstück aus der elisabethanischen Welt, sein Verfasser war der „unerschöpfliche“ Philip Massinger. In dessen „Verhängnisvoller Mitgift“ wird der Graf Charolais von seinem Weib Beaumelle betrogen, er ertappt sie mit ihrem Galan, dem Sohn des Gerichtspräsidenten, in der Herberge eines Sängers und Kupplers, ermordet das ehebrecherische Paar und wird freigesprochen, aber von einem Freund des Galans vor dem Tribunal erdolcht. Diese Fabel dürfte Beer-Hofmann gleichgültig 236