Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 4)
- Language
- German
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dann die neue Romantik Nietzsche, den Symbolismus Maeterlincks durchgemacht, dies alles aber tätig mitschaffend erlebt hätte, — so hätte doch seine letzte eigenste, altersreifste, ausgegorenste Reife keine schöneren Gestalten annehmen können als die der Früh- und Vorwerke des echten Beer- Hofmann, der sich eben damit von dem früheren, 1840 geborenen, in Wirklichkeit nie dagewesenen Beer-Hofmann verabschiedete. Aber der Übergang ist nie kraß, der spätere Beer- Hofmann ist allerdings auch im „Graf von Charolais“ schon vorgebildet, und überhaupt kann von der Caesur im künstlerischen Schaffen des Dichters nicht wie von einer abrupten Wandlung oder Erleuchtung gesprochen werden. Ebensowenig hat eine plötzliche Wandlung in den Anschauungen stattgefunden, etwa eine spontane Bekehrung zum Judentum. Lange ehe er sich jüdischen Stoffen ergab — aber schon Georg, die Hauptfigur der Erzählung, ist ein Jude —, hatte Beer-Hofmann an Herzl geschrieben und sofort nach der Publikation von dessen „Judenstaat“ als das Wesentliche: Herzls und seinen Stolz bezeichnet, „mit der legitime Erbe uralter Kultur zu sein.“ Die Formulierung dieses Briefes ist erstaunlich: Beer-Hofmann bekennt nicht, er sei durch Herzl oder aus Eigenem nun Zionist, Jude, Erbe uralter Kultur, sondern er bestätigt Herzl, daß Herzl es nun sei und stolz darauf sein dürfe, wie wenn er selbst, Beer-Hofmann, es eigentlich immer bewußt und legitim gewesen wäre, immer, das heißt 235