Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kunstwerk in strenger Prosa, dann mit dem Drama >,Der Graf von Charolais“, einem Gedicht „Altern“ und der Gedenkrede auf Mozart. Wenn man seine biblische Tetralogie, von der bisher „Jaäkobs Traum“, „Der junge David“ und der Prolog zum „König David“ gedruckt vorliegen, als sein eigentliches Lebenswerk ansieht, kann man jene nicht ausdrücklich jüdischen Stücke nicht einmal wie Vorarbeiten betrachten. Sie alle haben etwas Morbides; Alter, Tod, das Vergehen ins Schemenhafte, die Resignation der Erinnerung machen ihr Leben aus. Die Erzählung erscheint dann eher als eine Art Abschied von der Prosa und der Psychologie, von einer Epoche, deren dichterisches Ein und Alles die epische Prosa, die Psychologie ist; die Mozartrede wie eine letzte Abrechnung mit den sublimsten Werten seines Wiener Milieus; das Gedicht als Konstatierung der Abkehr von lyrischer Lebensschau; das Drama als letzter Tribut an die europäische, ästhetische Kultur. Ein Dichter, der eine Expedition zum Mittelpunkt der Erde unternimmt, macht so, ehe er in dies feurige Zentrum unserer Welt vorstößt, noch einmal sein Testament, seine dichterische Abrechnung mit der Oberfläche seiner Zeit. Versuchen wir es mit dieser Hilfskonstruktion: konstruieren wir uns einen Richard Beer-Hofmann, der etwa 1840 geboren wäre, einen europäischen Dichter, der seit der Nachfolge Heinrich Heines alle Phasen des Realismus bis zum Flauberfschen Naturalismus, dann den Impressionismus Liliencrons,