Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zu Richard Beer-Hofmanns siebzigsten Geburtstag
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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noch nötig. Die wieder einhellige Welt ist von Mächten beherrscht, die wahrzunehmen sind, auch wenn der rechnende Verstand sie nicht kontrollieren kann. Der Dichter ist wieder Seher. Seine Aufgabe beginnt, wo die „Literatur“ aufhört. Es ist überflüssig, Beer-Iiofmann in die Literaturgeschichte einzugemeinden, er paßt in kein Schubfach ihrer Registraturen. Er gehört keiner Schule an und wird nie Schule machen. Er scheint sogar seine Entwicklung, die Reifung seines Ausdrucks schon durchgemacht zu haben, ehe er zu schreiben anfing. Und es scheint zu einem Mann solcher Art zu gehören, daß sein Leben ohne Sensationen verläuft. Seine Biographie: er wurde 1866 geboren, er heiratete, hatte Kinder und schrieb nicht einmal ein Dutzend Bücher. Er hatte gute Männer zu Freunden wie Schnitzler und Hofmannsthal, und wenn eine anekdotisch interessante Tatsache von ihm zu berichten wäre, so höchstens die, daß er langsam arbeitet. Aber selbst das ist bloß für Beobachter wichtig, die hinter die Kulissen zu gucken glauben; tatsächlich steht die gedruckte Zeilenzahl niemals in bestimmbarem Verhältnis zur Menge der vorher geleisteten Arbeit, von ihrem Wert ganz zu schweigen. Der übrigens ungemein liebenswürdige Mensch soll uns also nicht weiter angehen, uns wie ihm geht es um sein Werk. 2. Beer-Hofmann trat zuerst mit einer Erzählung „Der Tod Georgs“ auf, einem psychologischen 233