Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Geschichte und Gegenwart in der Rechtsordnung Palästinas
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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läuft, ist sie so selbstverständliche Grundlage, daß ihre Bedeutung nicht immer empfunden wird. Anders in Zeiten des Umbruchs und Aufbaus. Solche Zeit durchlebt Palästina seit nunmehr achtzehn Jahren. Ganz verschiedene Welten treffen hier auf einander. Eine arabische Bevölkerung, mohammedanischer und christlicher Religion, deren Oberschicht in den Städten das Niveau europäischer Kultur hält und daneben die altererbte eigene Kultur bewahrt, während die Landbevölkerung in analphabetischer Unkultur und rückständiger Technik dahinlebt und einen Rest schweifender Beduinen Zustände der Urzeit bewahrt. Die Wirtschaft, soweit der arabische Sektor in Frage kommt, wenig entwickelt; die Ordnung des Landes, wie sie die Türken hinterließen, rückständig gegenüber modernen Ansprüchen, schlaff und lückenhaft — so hat die Mandatsmacht das Land übernommen, und in dies Land sind die Juden zurückgekehrt. Auch sie keineswegs einheitlicher Art, aus den verschiedensten Kulturgebieten kommend. Für sie alle gilt es, den neuen einheitlichen Lebensstil zu finden, Volk nicht nur zu heißen, sondern wieder zu werden. Eine überaus komplizierte Aufgabe. Der Jischuw hat in sich den Stil des Lebens zu finden, dasselbe gilt aber auch für die Araber, die sich einer ganz neuen Lage gegenüber sehen; daneben müssen beide, Juden und Araber, sich auf einander einrichten. Wieviel da noch zu wünschen bleibt, haben die letzten Monate 218