Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Jüdische Bildnis-Maler der Posener Biedermeierzeit
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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gründers der christlichen Kirche für die Franziskaner-Kirche und Altar-Gemälde für andere Kirchen der Stadt und Provinz Posen. Eine im Jahre 1905 versuchte Zählung der damals noch im jüdischen Familienbesitz in der Provinz Posen, in Berlin, Breslau und anderen Großstädten Deutschlands befindlichen Czarnikauschen Porträts vermochte naturgemäß nur einen Teil der Schöpfungen des fleißigen Malers zu erfassen. Immerhin konnten über 400 Bildnisse jüdischer Persönlichkeiten schätzungsweise festgestellt werden, die durchweg von seiner eigenen Hand herrührten, da er keine Schüler oder Gehilfen besaß. % Nicht nur an Zahl, sondern auch an künstlerischer Bedeutung wurden die zu jener Zeit im Osten Preußens entstandenen Werke anderer Bildnismaler weit von den Porträts übertroffen, die Michael Alexander geschaffen hat. Das zeigte sich auch in der materiellen Bewertung seiner Bilder. Denn für seine Ölgemälde durfte Alexander das (bei dem damaligen Wert des Geldes als hoch zu betrachtende) Honorar von je 15 Talern verlangen, während Czarnikau sich mit 10 Talern begnügen mußte. Wem es auf den niedrigeren Preis und auf die fein durchgeführte Detail-Malerei ankam, der ließ sich eben von Czarnikau malen. Wer dagegen die Wiedergabe der richtig erfaßten Individualität des Gemalten und den künstlerischen Wert des Gemäldes höher schätzte, der ging zu Michael Alexander. 212