Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Jüdische Bildnis-Maler der Posener Biedermeierzeit
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 8)
- Language
- German
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wo jetzt das Reichstagsgebäude steht6). Czarnikau, der mit seinem Bruder in dem Palais Aufnahme fand, besuchte in Berlin täglich die Akademie, studierte fleißig und malte viel. U. a. kopierte er, im Aufträge des Grafen, im Jahre 1844 eine Gruppe aus dem großen Paradebilde Franz Krügers von 1839. Die Kopie, die jetzt in der Posner Sammlung des Muzeum Wielkopolskie hängt, enthält die Bildnisse von Schinkel, Beuth, Waagen, Wagener, Wilhelm Wach und dem Grafen Athanasius Raczynski selbst. Um die Wende der 1850er zu den 1860er Jahren heiratete Czarnikau, nachdem er nach Posen zurückgekehrt war, die Mutter seiner Kinder, eine frühere polnisch-katholische Krankenschwester. Unter ihrem Einfluß, und auch weil er schon immer katholisierende Neigungen und eine Vorliebe für das Polentum besaß, wechselte er später Glauben, Namen und Nationalität und nannte sich dann Stanislaw Czarnikow. Von dieser Zeit ab bis zu seinem 1891 erfolgten Tode gingen ihm Aufträge aus jüdischen Kreisen allmählich immer spärlicher zu. Vielleicht legte er selbst auch weniger Wert darauf, da er sich nunmehr in der Hauptsache der religiösen Malerei zuwandte. So schuf er, außer vielen Heiligenbildern, u. a. die Leidens-„Stationencc des Be- 6) Die Galerie wurde, als das Palais im Jahre 1882 dem Bau des Reichstags-Gebäudes weichen mußte, zunächst nach dem Alten Museum und dann nach der National-Galerie in Berlin verlegt, bis sie im Jahre 1903 in das Posner Kaiser-Friedrich-Museum gelangte. (Zur Gesch. der Gemälde-Galerie vergl. A. Warschauer i. d. Histor. Monatsbl. f. d. Prov. Posen. V, 186.) 14* 211