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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1937-01-01 · 30 (1937) · p. Seite 210

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
30 (1937)
Article
Jüdische Bildnis-Maler der Posener Biedermeierzeit
Date
1937-01-01
Page
Seite 210 (sequence 7)
Language
German
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ben, daß manche Auftraggeber Czarnikaus ihre Bildnisse auch zugleich dazu benutzen wollten, ihren Reichtum zur Schau zu stellen5). Zu diesem Zwecke verlangten sie, daß das Familienoberhaupt mit der goldenen Schnupftabakdose in der Hand so abgebildet würde, daß man alle Einzelheiten des kostbaren Siegelrings auf dem Zeigefinger sehen konnte. Ebenso die schwere goldene Uhrkette, die teure Pelzmütze usw. Bei den Frauen die feinen selbstgeklöppelten Spitzen, die Tücher, seidnen Kleiderstoffe, den Kopfschmuck über den korkenzieherartigen Biedermeier-Locken und drgl. mehr. Anfang der 1840er Jahre berief Graf Athanasius Raczynski den damals knapp 30jährigen Czarnikau zum Gustos und Konservator seiner Gemäldegalerie nach Berlin, die sich seit 1837 in dem Raczynskischen Palais am Königsplatz an der Stelle befand, 5) Die höchst komisch wirkende Eitelkeit, auch auf Familienbildern mit den angeblich hervorragenden Eigenschaften und Fähigkeiten des Hausherrn, seiner Ehefrau und der Kinder sowie dem eignen Reichtum zu protzen, war natürlich nicht auf einzelne Juden der damaligen Zeit beschränkt. Sie gab es überall und von jeher. Am köstlichsten hat sie Balt. Anton Dunker in seinem 1782 verfaßten Gedicht vom reichen Bauern Grohl verspottet. Das Gedicht, das „Ein Familien-Gemälde“ betitelt ist und früher viel gesungen wurde, beginnt mit den Worten: „Mein Herr Malerl Wollt’ Er wohl — All* uns konterfeien? Mich, den reichen Bauern Grohl, Und mein Weib in Treuen? Jochen, unsern ältsten Sohn, Unsre Töchter kennt er schon: Greten, Urseln, Stinen, Haben hübsche Mienen. Mal er uns das ganze Dorf, Mit der Kirche drinnen, Michel fährt ein Fuder Torf, Meine Töchter spinnen, Jochen sticht ein fettes Schwein ... usw.“ Der Schluß lautet etwa: „Spar er nur die Farben nicht, Faustdick auf getragen! Da Er ja zween Taler kriegt, Braucht Er nicht zu klagen.“ 210

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