Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Jüdische Bildnis-Maler der Posener Biedermeierzeit
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 6)
- Language
- German
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Arbeiten mehr dekorativer Art, wie z. B. die Malerei zu Posner Innungs-Fahnen und das große Gemälde zur Erinnerung an die Gründung des Vereins junger Kaufleute in Posen im Jahre 1843. In der Hauptsache widmete er sich aber der Bildnis-Malerei. — Aufträge darauf strömten ihm, da das erste Atelier für Daguerrotopie und Photographie erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Posen erstand, in großen Mengen zu; sowohl von der christlichen — polnischen und deutschen — Bevölkerung, wie auch besonders von den Mitgliedern der damals noch sehr großen jüdischen Gemeinde in Posen. Viel bewundert wurden, dem damaligen Ge schmack entsprechend, der die minutiöse Detail1 Malerei bevorzugte, die noch heute im Familien - Besitz befindlichen Bildnisse eines Ehepaars aus Miloslaw bez. Posen: Das wie unter einer Lupe mit spitzem Pinsel gemalte und alle Einzelheiten der Haartracht, des Schmucks, der Kleidung usw. getreu wiedergebende Bildnis des Ehemanns David Jaffe (1790—1847) mit dem Sammet-Käppchen auf dem Haupte ist voller Leben. Ebenso dasjenige seiner 1849 gestorbenen Ehefrau Rahel, einer geborenen Dessauer 4). Zur Charakterisierung des Kulturniveaus der damaligen Zeit darf hierbei nicht unerwähnt bleL 4) Ein Sohn des Bruders der geborenen Dessauer war der gleichnamige spätere Hofschauspieler, der seinen Namen in Ludwig Dessoir französisiert hatte. Ein Sohn Ludwig Dessoirs (1810—1874) ist der 1867 geborne Berliner Universitäts-Professor Dr. Max Dessoir. 14 209