Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Die Wunstorfer Spanier
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Rosalie Behrend, der Frau von Professor Salomon Frensdorff in Hannover. Noch in bester Erinnerung ist mir das liebe, feine, runzelige Greisengesicht, aus dem gütig und schelmisch die klugen Augen blickten, diese Augen, die sie immer wegen der entzündeten Lider ihre S amtaugen nannte. Alles, was sie sagte, war belebt durch die Anmut ihres neckischen Humors. Einige ihrer Erzählungen deute ich an. Bettelnde Kinder, die in ihrer Aufregung die Worte verwechselten, wenn sie meine Großmutter um die begehrten Osterkuchen baten: „Fru Mazzen, geben Sei mek en betten Mosen!“ — Ein kleiner Junge, aus einer bitterarmen Nachbarsfamilie, die von der Tante oft unterstützt wurde, läuft an ihr vorbei und ruft noch schnell „Jude Itzig“, worauf sie heiter meint: „Ach, Junge, steck* man leiver Din Hemd in de Boxe!“ Der aber antwortet: „Ach, ek heve gar keint an!“ — Sie hatte sehr gern Besuch, aber ihren Unmut über den etwa Fehlenden, fegte sie mit der Bemerkung weg: „Wer nicht kommt, klemmt sich die Mechile nicht.“ Wie oft, wenn ich mich am Schluß der Ferien von ihr verabschiedete, legte sie ihre lieben Hände auf meinen Kopf und sagte: „Junge, Du wirst mich nie Wiedersehen!“ Einmal hat sie dann doch Recht behalten. Sie hat aber noch die Verheiratung ihrer Tochter Pauline erlebt und Leid und Freuden der in ihrem Hause schnell anwachsenden Familie geteilt. Von dieser sehr schönen und lebhaften Tochter, die ich in späteren Jahren oft nach Familiengeschichten fragte, und deren Auskünfte ich dann 197