Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Die Wunstorfer Spanier
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus allem gewinnt man den Eindruck, daß nicht nur „die vorigen Stadtvögte“ den Juden nicht übel gesinnt waren. Durch das Zusammenleben von Juden und christlichen Bürgern hatte sich wohl in vielen Fällen ein ähnliches freundliches Verhältnis herausgebildet, wie ich’s noch in meiner Jugend vorgefunden habe. Allerdings waren im 17., 18. Jahrhundert die Bildungsunterschiede größer und die religiösen Anschauungen stärker geschieden. Aber man sah doch unmittelbar, wie diese Juden sich mühten, ihre Familien zu ernähren, wie sie auf Anstand, Sitte und religiöse Übung hielten, und so konnte doch schließlich die Anschauung sich begründen, daß sie sozusagen auch Menschen seien. Die Notwendigkeit, die Kinder in das heilige Schriftgut hebräischer Sprache einzuführen, bewirkte jedenfalls, daß sie mit größerem Eifer für den Unterricht ihrer Kinder sorgten als ihre christliche Umgebung. In den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts wird in den Akten „ein gemeinschaftlicher Schulmeister, welcher gegenwärtig bei Moses Abraham wohnt“ erwähnt mit Namen Heine Benjamin aus Abterode. In meiner Jugend waren zwei Gruppen von Spanier-Familien in meiner Heimat. Wir hielten uns nicht für verwandt. Die alte „Tante Spanier“, sagte mir einmal: „Wir sind die echten Spanier; die andern haben sich, weil unsere Familie angesehen war, nach uns genannt!“ Aus den Akten sehe ich nun, daß diese Meinung irrig war. Beide Gruppen sind der Abstammung nach gleichrangig. In den 13 193