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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1937-01-01 · 30 (1937) · p. Seite 188

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
30 (1937)
Article
Die Wunstorfer Spanier
Date
1937-01-01
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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terrichtet bin, verdanke ich zwei Umständen. Mein Großvater hatte sich seine Frau 1811 aus der Stadt Hameln geholt, die ebenso wie Wunstorf damals zum Königreich Westfalen gehörte. Die sehr genau geführten Akten über diese Verheiratung mit allen notariellen Bekundungen nicht nur über die Brautleute, sondern auch über deren Eltern sind zum großen Teil in meinen Besitz gekommen. Sodann waren besonders aufschlußreich die im Preußischen Archiv in Hannover aufbewahrten Akten über die Schutzjuden in Wunstorf, wodurch die Geschlechterfolge um etwa 100 Jahre zurück aufgehellt wurde. Moses Spanier (im Schutzbrief steht Spanie, in späteren Schriftstücken auch Spannier) und Joseph Ferber erhielten von Johann Friedrich,1) Herzog *) Dieser Johann Friedrich (1625—1679) war eine eigenartige, bedeutende Persönlichkeit. Er war tief religiös veranlagt, empfänglich für künstlerische Genüsse und wissenschaftliche Probleme. Auf einer seiner italienischen Reisen war er 1651 in Assisi katholisch geworden. Als Fürst seines Landes (seit 1665) bringt er den Absolutismus zur Geltung. Er errichtet ein stehendes Heer, und gestützt auf dieses Machtinstrument, beseitigt er die letzten Reste landständischer Autorität. Er ist in seinem Glauben nicht fanatisch, er schützt die protestantische Geistlichkeit gegen Übergriffe katholischer Eiferer. Das Beispiel Ludwig XIV., hat auf ihn nur im guten Sinne gewirkt. Er wird ein Förderer von Kunst und Wissenschaft. An seinem Hofe lebt Leibniz, der den Fürsten sehr verehrte und sein reiches Wissen in den Dienst der politischen Ideen Johann Friedrichs stellte. Der vorurteilslose Fürst hat mit viel Klugheit und diplomatischem Geschick in den mannigfachen Wirren seiner Zeit im Interesse seines Landes gehandelt. (Vgl. Köcher in der A. D. B. 14, 177 ff.) Er hielt es für angezeigt, besonders wohlhabende Juden, wenn sie einen Schutzbrief besaßen, in der erweiterten Neustadt Hannovers anzusiedeln (s. Gronemann, Genealogische Studien über die ältesten Familien 188

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