Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Jüdische Briefe aus dem Jahre 1588
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 13)
- Language
- German
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wenn er wohlfeiler als in Prag sei, aber den ihm verloren gegangenen Orach Chajim mit den Glossen des R. Mose Isserles begehrt er aus Krakau, wo ja die ältesten Ausgaben 1578 und 1580 erschienen sind. Er ist sicherlich kein „durchschnittlich ungelehrter“. Der sechste Brief, dessen Unterzeichner vier mutige Gemeindediener sind, ist im hebräischen Teile ein Zeugnis kenntnisreicher Männer. Der Tenor des siebenten deutet keinesfalls auf einen ungelehrten Verfasser. Aus Beruf und Wirtschaft hören wir, daß von Krakau nach Prag „Ware allenthalben“, besonders Bockfelle, Elenhäute und Rindleder ausgeführt wurden.26) Handel mit Sämischleder wurde in Krakau betrieben. Ein Briefbote von Tymbark nach Prag erhielt drei Gulden Entlohnung. Kam ein solcher, dann „is die ganz Kehilla (Gemeinde Prag) voll gewesen.“ Der Zinsfuß hatte sich infolge der Geschäftsuntätigkeit zur Zeit der Pest gesenkt. Nach ihrem Schwinden erhoffte man eine Besserung der Geschäftslage. Der Paradiesapfelhandel war in Krakau zugunsten der Armenkasse monopolisiert. Die Händler hießen „Esroger“. In der Pestzeit war es in Krakau unmöglich, Schulden einzutreiben. Ein Haus daselbst wird auf 1600 Gulden Wert geschätzt. Auf redliches Geschäftstreiben wird viel Gewicht gelegt. Ein Pfund Pfeffer und ein Pfund Ingwer galten in Prag bereits als 26) Vgl. Geiger, Zeitschr. a. a. O. II 181; Dubnow, Weltgesch. des jüd. Volkes, VI 316. 185