Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Jüdische Briefe aus dem Jahre 1588
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 6)
- Language
- German
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ziehenden mußten zugunsten der Armen eine Steuer zahlen. Den nach Tymbark Eilenden wurde von Heiducken der Weg versperrt, und erst nach Zahlung von etwa vierzig Gulden freie Durchfahrt gewährt. Nach der Abreise des Königs nahm die Unsicherheit noch zu. Es wimmelte im ganzen Lande von Heiducken. Seit dem Neujahrsfeste hatten die Juden im Ghetto von Krakau Ruhe. Der Starost und der Oberbergwerksrichter erließen Schutzbriefe, so daß kein weiterer räuberischer Ueberfall erfolgte. Von den beiden „Ratmeistern“ in Krakau und Kazimierz wurden noch acht Wächter gestellt, die alle von der Gemeinde bezahlt werden mußten. Noch am 12. Tischri 1588 wütete die Seuche unvermindert und breitete sich in Lemberg, Posen und ganz Polen aus. Hiermit sind die Angaben Balabans, die zudem der Quellennachweise entbehren, daß diese Pest im Juli zwei Wochen 12a) geherrscht und 61 Opfer hinweggerafft habe, irrig, ebenso diejenigen Friedbergs, die den Beginn der Epidemie auf den Neumondstag Elul setzen. Da vom Herbst 1588 bis zum Neumondstage Siwan 1589 kein einziges genau datiertes hebräisches Buch in Krakau gedruckt worden ist, erscheint auch Friedbergs Mitteilung, daß während der Pest die dortige Drucker- 12a) Vielleicht ist der Fehler aus einer Verwechslung mit der großen Ueberschwemmung entstanden, die 13 Tage gedauert hat (Steinschneider a. a. O. Nr. 1239). Die Frage Steinschneiders nach der Bedeutung der Krakauer „2 Awir“ wird dadurch beantwortet, daß Awir d. h. Pest zweimal innerhalb eines Jahres, nämlich 1592 und 1593 (Balaban a. a. O.), wütete. 178