Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zum Andenken an Leopold Zunz
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118955--7586-3119121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Uebung des Scharfsinns hergesagt werden mußten. Nur am Nachmittag des Sabbath hatten wir Ruhe. Außer Hemelings kleinem Rechenbuche hatte ich bis Ende 1805 kein deutsches Buch gelesen; das erste war: Philadelphias Kunststücke. In demselben Jahre in der Selichot-Woche las ich Tausend und Eine Nacht in jüdischen Lettern. Die erste Einsegnung, die der Inspektor Ehrem berg verrichtete, war die meinige, Sabbath 22. August 1807.“ Die Bedeutung1) des soeben mitgeteilten Schrift- Stückes ist gar nicht hoch genug zu bewerten; es ist ein Kulturbild allerersten Ranges. Es schildert in schlichten und doch ungemein bewegten Worten die geistige und materielle Not, in der ein jüdischer Knabe noch am Anfang des 19. Jahrhunderts verkümmerte und stellt die Befreiung dar, wie sich diese bei Zunz durch den wackeren Ehrenberg vollzog. Man muß sich vorstellen, daß der Dreizehnjährige kaum ein deutsches Buch gelesen hatte, und daß er in einem Elend lebte, von dem die kühnste Phantasie sich kaum einen Begriff machen konnte. Geschrieben ist die nicht zur Veröffentlichung, sondern zur Information für Ph. Ehrenberg bestimmte Darstellung wohl im Jahre 1843; nach einer Notiz von Prof. Richard Ehrenberg wurde sie am 30. Mai an Ph. Ehrenberg gesandt. Daß sie aus den ersten vierziger Jahren stammen muß; geht daraus hervor, daß bei der Abfassung des ' x) Bemerkungen von Ludwig Geiger. 138