Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zum Andenken an Leopold Zunz
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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reimtes Tagebuch zu schreiben und lernte aus dem großen Hemeling die ersten Ausdrücke der Algebra — nachdem bereits eine Meile von mir fünf Jahre vorher Gauss seine Disquisitiones geschrieben! Im Jahre 1805 war auch der erste Rabbi auf dem Zinnerhof, David Schwersenz, dessen Frau Egläh hieß, gestorben. Die ersten Schritte zu einer Reform geschahen 1806. Ich glaube Ende 1806 oder Januar 1807 war Inspektor Ehrenberg da. Wir erhielten Kleidungsstücke. Als ich wieder einmal einen ganzen Strumpf anhatte und ganze Hosen, hatte ich ein Gefühl, wie wenn ein Seeverschlagener wieder an wirtbares Ufer kommt. Noch erinnere ich mich des Tages, als die ersten französischen Soldaten ankamen; die darauf folgende Zeit kam mir einer Zeit der Erlösung ähnlich vor. Um jene Tage war es, wo ich auch die schlechte Behandlung, der die Zöglinge auf dem Zimmerhofe bei dem Bären preisgegeben waren, etwas näher kennen lernte und besonders rührte mich der kranke Gabriel Engel aus Braunschweig, der auch April 1807 starb. Den Tag vergesse ich nicht, wo es hieß, heute schlafen wir zum letzten Male auf dem Zimmerhofe: morgen geht es wieder nach der alten restaurierten Wohnung und die alte Bären-Herrschaft geht zu Ende. Am Dienstage kam der Herr Inspektor, den Tag darauf dessen selige Mutter ganz erschöpft vom Fahren (1. April 1807). Wir sind buchstäblich aus einer mittelalterlichen Zeit in eine neue an einem Tage übergegangen, zugleich mit dem Heraustreten aus der jüdischen!36