Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zum Andenken an Leopold Zunz
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118955--7582-3119117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 Uhr nachts. Mein ganzes Eigentum jener Zeit bestand in einem alten Mantelsack nebst wenigen Kleidungsstücken; ein kleines Sefirat omer (Tabelle für das Omerzählen) habe ich bald hernach beim Ausräumen der Taschen von Chomez mit in die COker geworfen. — Im Winter wurden die Lernstuben nicht geheizt, die Schlafzimmer mit Gipsboden waren eiskalt; dann gab es für uns und Kalman nur ein einziges Zimmer, in dem gewohnt, gelernt,: gegessen wurde. Daher verbrachten wir Stunden lang im Bette zu. — Nur zu Polli ging ich zuweilen am Sabbath und bekam dort Obst, auch dann und wann einmal 1 Groschen. Im Sommer 1804 hatte ich mehrere Wochen das kalte Fieberr der alte Bücking verbot mir Fleisch, Fische, Eier, Käse, frisches Brot usw. Ich hätte sie mir ohnehin nicht gekocht und gesotten. Am 1. Abend Pessach gab es immer Pastinaken, an Purim Lungenmuß; die Kugel am Sabbath war oft so verbrannt, daß ich sie in die Tasche steckte und wegwarf. Jeden Morgen bekamen wir Tee mit Milch, Freitag mittag Kaffee. — Im Sommer suchten wir gewisse Kräuter auf dem Walle, woraus sich Kalman einen Tee bereitete. 1804 am ersten Abend Sukkoth war ein solcher Pöbellärm, die Hütte zu sehen, vor der Haustüre, daß Kalman hastig zu dem'Polizeidirektor (oder was er sonst war) hinlief. Der Verdruß, die Erhitzung und das Laufen wirkten nachteilig auf sein Uebel (Bruch). Den folgernden Tag wurde er bettlägrig, noch an demselben Chol Hamoed starben er und R. Lik, der 134