Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Zum Andenken an Leopold Zunz
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 3)
- Language
- German
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ten ging. Lektüre und dergleichen gab es nicht; es kümmerte sich auch niemand um uns; wir waren die verpflichteten Schulgänger. Leichenbegleiter und Mazze-Gehülfen und bekamen drei bis vier Mal jährlich jeder einen halben Thaler an Jahrzeiten aus der Samsonschen Freischule. Diese steckte Herr Samson jedem in die Hand, wenn er aus der Schule i. e. Synagoge kam. Alsdann pflegte ihn auch derjenige von uns anzupacken, der ein Hemd, eine Hose und dergleichen haben wollte. Ich trug kurze lederne Hosen und Schuhe mit Schnallen. Außer Bertrand — in dessen Stunden er allein entblößten Kopfes saß — und einer Frau, die mich kämmte, kannte ich keinen Christen. Die erwach־ senen Bachurim übten nicht selten eine tyrannische Gewalt über die kleineren aus. Zwei Mal rettete mich im Winter 1803/4 die Vorsehung von Stockschlägen; einmal schlug der Rabbi mit dem Stock in die Lampe und das Oel fiel auf den Traktat Gittin; das andere Mal trat in demselben Moment unser lieber nachmaliger Inspektor S. M. Ehrenberg in das Zimmer. Noch vor seinen Reformen 1806/7 hatte er mit dieser Erscheinung einen günstigen Grund in meinem Herzen gelegt. Dennoch war Kalman von Herzen gut, ein aufrichtiges Gemüt, war auch im Sommer 1804 bei weitem milder, brachte uns öfter Kirschen in die Lernstube. Auch die Frau war nicht schlimm, unter den Rebezinnen wohl die beste. In den Selichottagen standen wir um 4 Uhr auf, an Erev Rösch Haschono und Erev Jom Hakippurim schon um!33