Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 34)
- Language
- German
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delstechnik aufschlußreichen Buchungen mittelalterlicher Großhändler die neuere Annahme, daß der jüdische Anteil an der Entstehung des Frühkapitalismus weit überschätzt wurde.55) Das neuestens entdeckte und herausgegebene älteste deutsche Handelsbuch, das der Nürnberger Gewandschneider Holzschuher von 1304, enthält in allen zweifelsfrei zu klärenden Fällen Juden nur als Darlehensnehmer, und zwar hat regelmäßig einer der Firmeninhaber einem Juden einen bestimmten Betrag kreditiert und sich für den von vorneherein festgesetzten Verfallstermin die Rückzahlung einer höheren Summe ausbedungen. Die Nachprüfung der sechs mit Juden abgeschlossenen, unmißverständlich verbuchten Geldgeschäfte ergibt einen exorbitant hohen den Juden abgenommenen Zinsbetrag von gegen 100 °/o p. a. Insgesamt nennt das Handlungsbuch der Holzschuher 894 Namen, darunter 10 Juden, die in allen Fällen Darlehnsnehmer sind, und zwar merkwürdiger Weise in einer Zeit, in welcher die Juden unnachsichtlich 55) Ueber diese Handelsbücher und ihre Editionen im allgemeinen jetzt am umfassendsten: Das Handlungsbuch der Holzschuher in Nürnberg von 1304—1307, bearbeitet von Anton Chroust und Hans Proesler, Erlangen 1934; S. XXXVI, Note 3. Als ältestes deutsches Kaufmannsbuch galt bisher ein Lübecker von 1330—36, das Rörig 1925 herausgab; vgl. Fritz Rörig, Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte, Breslau 1928. Der überraschende neue Fund eines Nürnberger Handelsbuches von 1304, wodurch bis auf anderthalb Jahrzehnte die älteste italienische Buchführung zeitlich erreicht wird, beweist, daß auch der oberdeutsche Kaufmann im Hochmittelalter im Handel weiter fortgeschritten war, als man bis jetzt annahm. 128