Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 32)
- Language
- German
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schaft, nicht die Juden, ist von ihm mehr oder minder am Ende des 15. Jahrhunderts bereits erfüllt. Verwickelter ist die jüdische Rolle im ,,Monopolwesen.“ 53) Die privatkapitalistischen Monopole im Erzhandel des Mittelalters waren aus der Finanznot des Staates entstanden. Jakob Strieder hat die frühkapitalistischen Wirtschafts- 53) Grundlegend ist die Frage behandelt in dem Werk von Jakob Strieder, Studien zur Geschichte kapitalistischer Organisationsformen; Monopole, Kartelle und Aktiengesellschaften im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit, 2. Aufl., München 1925. Über die Verdrängung der Juden durch die Kaufleute des eigenen Landes S. 66. — „Es ist ein eigenes Geschick um Ideen in der Weltgeschichte. Als eines der sonderbarsten ist mir immer die Tatsache erschienen, daß vielleicht nichts die Kreditwirtschaft und die kapitalistische Wirtschaft praktisch mehr gefördert hat als das Papsttum, also als die Spitze jener Institution, die theoretisch sich am heftigsten gegen den kapitalistischen Geist gewendet hatte und sich trotz ihrer entgegenstehenden Praxis im Verlaufe des Mittelalters immer wieder wandte“ (Seite 64). — „Das Geldbedürfnis von Staat und Kirche für Verwaltungs-, Kriegs- und weltmachtspolitische Zwecke hat das Aufkommen des Kapitalismus, aller mittelalterlichen Wirtschaftsethik zum Trotz, zugelassen und gefördert“ (S. 67). — In den frühen Jahrhunderten des Mittelalters waren die Juden Pioniere des Fernhandels. „Wenn der Haß gegen die Juden im 14. Jahrhundert in vielen Städten eine besondere Höhe erreichte, so hängt das damit zusammen, daß gerade auch die kleinen Leute in ihnen den lästigen, gewiß auch oft wucherischen Gläubiger sahen“ (Fritz Hörig, Die europäische Stadt im Zeitalter der Gotik und Renaissance, 1932; S. 348 — in Propyläen-Weltgeschichte Bd. IV, S. 279 ff.). Wie dem kirchlichen Zinsverbot zum Trotz italienische, hansische und englische Kaufleute im 14. Jahrhundert Geldgeschäfte von beträchtlichem Umfang machten, ferner wie auch ohne Juden z. B. in Lübeck im Spätmittelalter Darlehen und Zins, Setzen von Pfändern und deren Verfall selbstverständliche Dinge waren, endlich wie die Florentiner Banken des Mittelalters Schöpfungen des italienischen Unternehmertums waren, schildert jetzt Rörig a. a. O. Seite 348 anschaulich. 126