Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 31)
- Language
- German
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einen Großhandel bewirkt worden, wie er in einer Reihe von verkehrsbegünstigten Städten sich schon im MA. gebildet hat. „Hie und da, besonders in Italien und in der Judenschaft, auch aus dem kleineren Wechslertum, den sogenannten Lombarden oder Kawertschen, emporgestiegene Geldhändler“50), im weit überwiegenden Maße aber reich gewordene Warenhändler (die Juden befaßten sich im christlichen MA fast nur mit dem Trödelhandel 51) waren es, die ihre ansehnlichen Vermögen in dem großen Finanzgeschäft mit den geistlichen oder weltlichen Großen zur nutzbringenden Anlage und weitern starken Vergrößerung brachten. Die Juden waren von diesen Finanzgeschäften der Kirche und der Fürsten ausgeschlossen; sie waren in den deutschen Städten wie im antiken Rom kleine bedrückte Leute mit einem glühenden ressentimentlosen Gottvertrauen. Ihr tiefster, auch seelischer Niedergang liegt im Westen in den drei Jahrhunderten 1450—1750. Der Erwerb von Geld und immer wieder von Geld als eine Art Selbstzweck war den Juden des MA fremd, diese Haltung ist von einem ganz anderen Menschenschlag bezeugt, den Jakob Strieder umreißt52). Von Italien aus hat sich der kapitalistische Geist über Europa verbreitet, ohne Zutun der Juden. Das obere Zehntausend der europäischen Kaufmann- 50) Strieder a. a. 0. Seite 4. 51) Wilhelm Grau, Der Antisemitismus im späten Mittelalter (Anm. 13) überschätzt für Regensburg den Warenhandel. 62) Strieder a. a. O. Seite 6f. 125