Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 27)
- Language
- German
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die eine beredte Sprache über die Wirkung der Juden auf die Umwelt sprechen. Der Grundsatz „ Novum Testamentum in Vetere tatet, Vetus in Novo patet “ verhilft uns zu einem unerwarteten, manchmal höchst unmittelbaren, ja drastischen Blick in diese Wirkung. Der Gedanke, daß im Alten Testament unsichtbar und nur für den, der zu lesen versteht, die kommenden Ereignisse aus dem Neuen Testament prophetisch eingezeichnet sind, gehörte zum ältesten Überlieferungsgut der christlichen Frömmigkeit. Methodisch war die Denkform dieses „Schriftbeweises“ den altjüdischen hermeneutischen Regeln der Bibelerklärung entnommen. Jahrhundertelang stellte man Szenen des Neuen Testaments meist auf einem Blatt zusammen mit alttestamentlichen Darstellungen. Suchte und fand man doch mühelos in immer wiederkehrenden Variationen für bestimmte Vorgänge aus dem Leben Jesu und der Apostel die „Vorbilder“ im Alten Testament. Das anachronistische Geschichtsdenken im ganzen MA bewirkt nun, daß wie in den Laienspielen und auf der mittelalterlichen Bühne, auch herausgegeben und erklärt von Adolf Deissmann und Hans Wegener, Berlin und Leipzig 1934. Die kunsthistorische Seite der bildlichen Darstellungen der Biblia pauperum behandeln die von W. L. Schreiber in der Deutschen Lit.-Ztg. (1928; Sp. 513 ff.) aufgezählten Arbeiten. Die theologische Seite erklärt F. J. Luttor in der 1912 in Veszprem (Ungarn) gedruckten Schrift „Biblia pauperum. Studie zur Herstellung eines inneren Systems“. Über die rein dogmatische Erklärung weit hinaus geht das Werk von Hans Engelhardt, Der theologische Gehalt der Biblia Pauperum; Studien zur Deutschen Kunstgeschichte Heft 243, Straßburg 1927 (besonders die Kapitel „Symbolik“ und „Die religiöse Psyche“). 121