Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 24)
- Language
- German
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lung ist noch viel mehr als „Verweltlichung“ und „Entgöttlichung“, sie bedeutet nicht nur den einfachen Sachverhalt, daß „Religion“ aufhört, das beherrschende Interesse der Menschheit zu sein. Es handelt sich um eine Verwandlung des gesamten Sozial- und Wirtschaftsdenkens, um einen Verselbständigungsprozeß von Politik, Wirtschaft, jeglicher Art geistigen Lebens, die alle früher unter einer unteilbaren Ordnung standen. In seinem weitwirkenden Werk „From Gerson to Grotius“ hat J. N. Figgis 1916 die Säkularisation der politischen Theorie als die große einschneidende Veränderung beschrieben, die Mittelalter von Neuzeit trennt. Wo alle Lebensverhältnisse, besonders auch die soziale Gliederung, Recht und Verwaltung, unter unmittelbar göttlicher Leitung gedacht werden und religiös ausgerichtet sind, haben „Judenfreundlichkeit“ — „Judenfeindlichkeit“ innerhalb einer wirklich christlichen, also einer noch nicht säkularisierten jüdischen oder in einer total muhammedanischen Welt, keine Aussagekraft. Eine richtig verstandene „Volksgeistlehre“ und religionssoziologische Vorschule führt viel weiter als nur zu einer intimeren Einführung in die Judendarstellungen im mittelalterlichen Spiel und Stein; auch die Erfassung der jüdischen Eigenwelt, ihr Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsdenken wird durch eine solche Betrachtungsweise der Wirklichkeit näher kommen. Theater und bildende Kunst des MA geben einen tiefen Einblick in wesentliche menschliche Il8