Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 23)
- Language
- German
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„Religion“ in unserem säkularisierten Zeitalter verbindet. In Wahrheit waren diese „Religionen“ einander ausschließende Lebens- und Seinsordnungen viel exklusiverer Art als später etwa Nationen oder Rassen. Für die Geschichte der Juden im MA ist ohne eine religionssoziologische Vorlehre38), die das Wissen um die „Seinsgebundenheit“ der „Ideen“ zur Voraussetzung hat, nicht auszukommen. Denn das fundamentale Mißverständnis von den Juden „unter Denkmalschutz“ durchdringt auch die jüdischen Geschichtsdarstellungen, etwa die von Graetz und Dubnow, die namentlich Islam und Christentum wie Religionen im 19. und 20. Jahrhundert behandeln und zu ausschließlich jede neue Strömung, jede neue Ordnung, in welche die Juden im MA geraten, auf ihre judenfreundliche oder judenfeindliche Geladenheit untersuchen, ohne in das Wesen und Gefüge dieser Ordnung selbst eindringen zu wollen. Ausstrahlung der jüdischen Daseinsweise und Reaktion der Umwelt, wie sie sich in den besprochenen literarischen und sonstigen Denkmälern äußert, kann historisch nur verstanden werden, wenn der Vorgang „Säkularisation“ in seiner weit tragenden Bedeutung erfaßt ist.39) Diese Art der still wirkenden Wand- 38) Joachim Wach, Einführung in die Religionssoziologie' Tübingen 1931; dazu Erich Seeberg in der Deutschen Lit.-Ztg. 1933, Sp. 193 ff. 3Ö) Adolf W endel, Säkularisierung in Israels Kultur, Gütersloh 1934. Zu dem Problem ausführlicher Ludwig F euchtwanger, Mächte der Verweltlichung und Entgöttlichung in der jüdischen Welt, 1935 („Der Morgen" Jg. XI, 1935; S. 41—44). H7