Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 22)
- Language
- German
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in allen Variationen in den Mysterien und Passionsspielen, in der provenzalischen, niederländischen, italienischen, besonders in der deutschen Dramatik, in zahlreichen Christ- und Kreuzaufführungen der christlich-mittelalterlichen Welt wieder. Der Streit der beiden Herrscherinnen wird schließlich zu Stein. Aus dem Psalmvers (69, 24): „Ihre Augen mögen sich verdunkeln, daß sie nicht sehen; und beuge ihren Rücken für immer!“ leitet das Christentum die Stellung des Juden im christlichen Gesellschaftsaufbau, in der damaligen Seinsordnung ab. „Das versteinerte Israel ist von den Propheten geweissagt“.36) Der Volksglaube vergegenwärtigt sich das Dogma, im MA sehr viel mehr als eine theologische Konstruktion, in den populären Christus- und Fronleichnamspielen. Man muß das Synagogenmotiv in einigen Typen der mittelalterlichen Dramatik auf sich wirken lassen, um den Überschwang und die sinnfällige Eindringlichkeit der mittelalterlichen Vorstellungen über das wahre Gesicht des verräterischen Juden ganz kennen zu lernen. „Das christliche Abendland stellte die Juden gleichsam unter Denkmalschutz“,37) ein solcher Satz konnte (in einem im übrigen literaturwissenschaftlich gereiften und ausgewogenen. Werk) nur von jemand ausgesprochen werden, der mit den Religionen Christentum, Judentum, Islam die Vorstellung 36) Peterson, Die Kirche aus Juden Und Heiden (Anmerkung 20), Seite 56. 37) Holdschmidt (Anm. 35) a. a. O. Seite 14. Il6