Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 17)
- Language
- German
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programmatische Abhandlungen verfaßt. Davon verschieden ist das Ziel, zur Erkenntnis eines spezifischen Zeitgefühls eines Jahrhunderts zu kommen. Man hat jüngst daran erinnert,32) daß noch am Anfang der Monumenta Germaniae historica geplant war, die Geschichtsschreiber des Mittelalters nur so weit zu edieren, als sie „gesichertes, originales Tatsachenmaterial“ bringen, und z. B. bei einem Historiker wie Otto von Freising die philosophisch-theologischen Stücke als „unnützes Zeug“ wegzulassen. Heute steht die Eigenart des mittelalterlichen Geschichtsdenkens im Mittelpunkt der Forschung. Ueber die formale Seite der Bestimmung von Stil und Literaturgattung, besonders von Einflüssen aller Art weit hinaus, muß an die geistigen Vorgänge „Anachronismus“, „Heilsgeschichte“, „Imitatio“ in einem Lebenslauf, an die einfachen Formen „Legende“, „Sage“, „Mythe“, „Memorabile“ herangegangen werden. Wer sich über das Geschichtsdenken der biblischen Bücher klar geworden und von der Geschlossenheit und Uniformität der sich darin manifestierenden Geschichtsvorstellungen abgekommen ist, sieht unmittelbar das große vernachlässigte Problem: Wie beschaffen ist die Geschichtsquelle, die Legende, die von Juden stammt 32) Johannes Spörl, Grundformen hochmittelalrei^ licher Geschichtsanschauung; Studien zum Weltbild der Geschichtsschreiber des 12. Jahrhunderts, München 1935. Dieses wichtige Werk führt auch aus dem bisherigen Zirkel der mittelalterl. jüd. Geschichte hinaus. Für die Wandlungen während des M. A. jetzt: Julius Schultz, Wandlungen der Seele im Hochmittelalter I; Breslau 1936. III