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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1937-01-01 · 30 (1937) · p. Seite 108

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
30 (1937)
Article
Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
Date
1937-01-01
Page
Seite 108 (sequence 14)
Language
German
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Die dogmatische und praktische Haltung der Kirche zu den Juden ist für das Mittelalter so zentral, daß durch ein Unverständnis dieses Sektors auf der großen Schnittfläche jüdisch-christlichen Zusammenlebens jede sonst noch so zuverlässige Darstellung der jüdischen Geschichte im Mittelalter einseitig und schief wird. Von beiden Seiten ist Deutsche Volkssoziologie im Rahmen einer sozialen Lebenslehre, Nürnberg 1931. Vom gleichen Verfasser: Soziale Lebenslehre, ihr iSystem und ihr wissenschaftlicher Ort* Nürnberg 1932. — Ferner: Vergangenheits- und Gegenwartsvolkskunde — Volkskunde und Soziologie (Kölner Vierteljahrshefte für Soziologie; Jg. IX, München 1931). — 1933 bis 1936 erschienen die großen volkskundlichen Werke von Rumpf: „Religiöse Volkskunde“ (XVI, 475 Seiten); eine ähnliche jüdische Volkskunde, von mehreren Sachverständigen verfaßt, bleibt zur Erklärung der Geschichte der Juden im Mittelalter eine Hauptaufgabe. Aus methodischen Gründen ist auch das zweite Werk von Rumpf wichtig: Deutsches jßauernleben (912 Seiten), 1936. — L. Weiser-Aall, Der seelische Aufbau religiöser Symbole (Zschr. für Volkskunde, Neue Folge Bd. V, S. 15—46, Berlin 1934). — „Volkskunde-Arbeit“ (Zielsetzung und Gehalte), herausg. von Ernst Bargheer und Herbert Freudenthal. Festgabe für Otto Lauffer, Berlin 1934. — „Volkskundliche Gaben“ (Festgabe für John Meier), Berlin 1934. Diese großen Sammelwerke der führenden Gelehrten moderner Volksforschung sind methodisch auch für uns unentbehrlich. Die jüdischen „Volksbücher“ aus späterer Zeit (z. B. Meitlis, Das Ma’assebuch; Berlin 1933) sind gut ediert und auch nach ihren Entstehungsumständen erforscht, aber noch nicht „volkskundlich“ verarbeitet. Bei einer so ausgesetzten und außerhalb der Völkergemeinschaft der christlich-abendländischen Nationen stehenden Gruppe wie der Juden ist jede Art moralisierender und zensurierender Beurteilung der Motive der handelnden Menschen oder gar eine apologisierende Untermalung von Übel und einer „volkskundlichen“ Betrachtungsweise im Wege. Die Vordergrundsmotivierungen des Pragmatismus versagen hier völlig; um so größer die Gefahren einer nur konstruierenden oder gar belletristischen Scheinhistorie! 108

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