Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 13)
- Language
- German
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Stehens die Organisation des Volkes im Staat fehlt und meist durch „Literatur“ zu ersetzen ist, müssen wir mit doppelt geschärften, streng wissenschaftlichen Mitteln allen, auch den unfeierlichen und unprogrammatischen Aeußerungen25) nachgehen und ohne homiletisch-apologetische Verdeckungen aus der Fülle von Mussar und Hochma die unverkennbaren säkularisierten, „unheiligen“ Volksneigungen zeigen, denen geschichtsformende Kraft ebenso wie den Tugenden der Demut und der religiös-ethischen Widerstandskraft innewohnte. Warum es an solchen dringenden Ergänzungen in der jüdischen Geschichtsschreibung fehlt, ist mit den Händen zu greifen. Volkkundliche Einzelbeobachtungen gibt es in Hülle und Fülle.26) Die organische Durchtränkung unserer Forschungsarbeit mit systematisch erarbeiteten volkskundlichen Ergebnissen und die methodischen Brauchtums- und Volkstumsarbeiten sind indes noch kaum in Angriff genommen.27) 25) Ludwig Feuchtwanger, Die Gestalt des „Verworfenen Juden“ — Ein Versuch über Mythenbildung, Berlin 1933 (Der Morgen; Jg. IX). Die jüd. Spekulation im Mittelalter in ihrer Dreiteilung (Talmudisch-Halachisches — Mystik — Philosophie) ist so wenig der Kern der jüd. Geschichte im Mittelalter wie die Verfolgungen oder die Rechtsgeschichte. Die fachmäßig edierte Literatur dieser „Gebiete“ bleibt eine immer gleich dringende Forderung, weil eine geschichtswissenschaftliche Auswertung nur an Hand zuverlässig herausgegebener und erklärter Texte möglich ist. 26) Die Grunwaldschen Jahrbücher (Anm. 24) und die Minhag-Bücher enthalten ein noch unausgeschöpftes Material. 27) Musterbeispiele von der nichtjüdischen Seite sind die Arbeiten von Max Rumpf. Methodisch: Max Rumpf, 107