Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
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sondern Jehuda-ha-Chassid. Der Luftkampf zwischen Judas und Jesus in diesen Geschichten gehört zu den elementaren Ausbrüchen, die genau so echte Geschichte sind wie eine Gesera oder eine Responsensammlung. Hier ist noch nichts von dem für eine spätere Zeit bezeichnenden jüdischen „Ressentiment“ zu spüren, also von der Haltung eines im Selbstgefühl Verwundeten, der einen offenen Konflikt zu scheuen allen Grund hat. Die apologetische Bagatellisierung des ganzen Legenden-Stoffes, aus dem eine ganz ursprüngliche Widerstandskraft des Geächteten spricht, ist nicht am Platz. Für die Juden, welche die Toldoth-Jeschu ausgedacht haben, ist die Kluft zwischen den Werten der Herrschenden und der eigenen besseren Zukunft so tief, daß der Uebergang zu dieser besseren Zeit nach ihrem Glauben nur von den Enterbten vollzogen werden kann. Auf die jüdische Volksliteratur des Mittelalters, besonders auf die didaktische und liturgische, fällt helles Licht von den verwandten literarischen Denkmälern in der abendländischen christlichen Umwelt23) her. Die Hauptsache aber bleibt die bisher noch unzulängliche Auswertung.24) Er- 23) Stand der neuesten Forschung bei Julius Schwietering, Die deutsche Dichtung des Mittelalters in Walzeis Handbuch der Literaturwissenschaft; ^ferner in der „Sammlung literarischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Entwicklungsreihen“ die Reihen „Geistliche Dichtung des Mittelalters“ — „Höfische Epik“ — „Realistik des Spätmittelalters“; Leipzig 1933 ff. 24) z. B. Auswertung des „Sefer ha - Kabod“ bei Graetz Bd. VI (3. Aufl.), iS. 216: „Diese Schrift ist zwar voller 105