Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 10)
- Language
- German
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Glaubensstückes im Mittelalter bleibt die Geschichte der Juden in den hier in Frage kommenden Jahrhunderten unverständlich. Das Gleiche gilt natürlich von den Juden im islamischen Kulturkreis: Nur eine intime Vertrautheit mit dem Geist des Islams, wie ihn die moderne Islamwissenschaft vermittelt, erlaubt uns, über eine trockene Annalistik und über ein dürftiges Referat von Lehrmeinungen und philosophischen Systemen hinaus in den Sachverhalt innerhalb der Zonen des Mohammedanismus einzudringen. Die mittelalterlichen Juden des christlichen Abendlandes hatten auf der anderen Seite ihre „Toldoth-Jeschu“; diese Denkmäler sind seit langer Zeit in allen Fassungen sorgfältig ediert und allgemein zugänglich, aber für die jüdische Geschichte im Mittelalter doch nicht so ausgewertet, wie es die Aeußerungen eines ungebrochenen Volksgeistes verdienen.22) Zu wenig hervorgehoben hat man, wie auch hier christliche und jüdische Denkformen sich gleichen. Denn die Tendenz der Toldoth ist nicht etwa, die Evangelienberichte als unwahr oder unwahrscheinlich hinzustellen, sondern sie mit anderen Wertvorzeichen zu versehen; so ist beispielsweise Judas nicht mehr der Verräter, 22) Noch nicht überholt: Samuel Kraus s, Das Leben Jesu nach jüdischen Quellen, Berlin 1902. Jetzt auch Martin Dibelius in der „Deutschen Literatur-Ztg." 1935 (Heft 32, Sp. 1371—1377): „Die jüdische Verleumdung setzt die christliche Überzeugung voraus“. Ferner: Polemik zwischen B. Heller u. S. Krauss über die Toldoth-Jeschu in der „Monatsschrift“ 76. und 77. Jahrg. (1932/33). 104