Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 9)
- Language
- German
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herrschende Weltbild im göttlichen Heilsplan eindeutig festgelegt: Das „Alte Testament“ wird zwar als das offenbarte Buch der Verheißungen und Weissagungen in Anspruch genommen, aber doch jeder Vorrechtsanspruch des Judentums abgewiesen; denn die Verheißungen, so lehrt Paulus, gelten nicht dem Israel nach dem Fleisch, den leiblichen Nachkommen Abrahams, sondern den Christen als dem wahren „Israel Gottes“. Aber Gott habe Israel, das alte Volk, auf bewahrt, er habe es einstweilen verstockt, jedoch ein Rest werde einst seine Verblendung abwerfen.19) „Gott erträgt das Gefäß des Zornes — das fleischliche Israel — so wie der Herr im Gleichnis Jesu, der sich bestimmen läßt, den Baum, den er eigentlich Umschlägen lassen wollte, noch „dieses“ Jahr stehen zu lassen.“20) Der Jude ist nach christlichem Glauben ein Feind Gottes, weil er dem Evangelium ungehorsam ist. „Aber er ist ein von Gott Geliebter, um der Erwählung in den Vätern willen. So ist seine ganze Existenz zweideutig, und die Zweideutigkeit dieser jüdischen Existenz wird erst dann aufhören, wenn ganz Israel gläubig geworden ist.“ 21) Ohne eine subtile Exegese der drei Kapitel des Römerbriefes von dem göttlichen Heilsplan über die Juden und ohne eine Vorstellung von der Sprengkraft dieses 19) Römerbrief cap. 9—11; Hans Lietzmann, Geschichte der Alten Kirche Bd. .1, Berlin u. Leipzig 1932; S. 129. 20) Erik Peterson, Die Kirche aus Juden und Heiden, Salzburg 1933; S. 33. 21) Peterson a. a. O. Seite 64. 103