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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1937-01-01 · 30 (1937) · p. Seite 101

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
30 (1937)
Article
Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
Date
1937-01-01
Page
Seite 101 (sequence 7)
Language
German
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rational aufgebautes Weltbild trennte beide von dem modernen Wissenschaftsbegriff, nach welchem das Wissen kein (wie Judentum und Christentum annahmen) in sich ruhender fertiger Kosmos ist, sondern in freier Selbsttätigkeit des Ich dauernd erzeugt wird, somit jede Eroberung im Reiche des Geistes eine Tathandlung des selbstbewußten Ich bedeutet. Das jüdische „Lernen“ und „Wissen“ war genau so wie dem Christen im christlichen Mittelalter eine virtuose Wiedergabe der in einem einzigen Erkenntnisrahmen schon im vorneherein eingespannten fertigen Gottes- und Weltansicht sowie des danach Gebotenen, also weder wie heute das Feststellen gesetzmäßiger Beziehungen, um diese Welt der Erscheinungen beherrschen17) und in den Dienst menschlicher Zwecke stellen zu können noch die durch voraussetzungsloses Selbstdenken kritisch gewonnene Einsicht in eine entzauberte Welt. Das Gewissen wird bei einer so gearteten absoluten Ausrichtung auf das göttliche Gesetz für jede Art des Verhaltens auf dieses autoritativ gedeutete Gesetz selbst verwiesen. Offenbarung und Gesetz ergreifen zwingend schlechthin alle Bereiche des Lebens. Gegen- 17) Max Scheler, Die Wissensformen und die Gesellschaft, Leipzig 1926; iS. 297 f. Theodor Steinbüchel, Christliches Mittelalter, Leipzig 1935; S. 92 ff. Am zwingendsten ist die Gleichförmigkeit der mittelalterlichen Denkhahnen (im Judentum, Christentum, Islam), namentlich in der „Pietät“ vor dem Seienden und in dem Hiinnehmen des Gebots und der Ordnungen indirekt zu entnehmen aus Heinrich Ehrentreu, Über den Pilpul in. den alten Jeschiboth (des Mittelalters) im „Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft“, Frankfurt a. M. 1995. IOI

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