Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Epochen und Kulturen zu berichten und Wege der wissenschaftlichen Beantwortung anzudeuten. * * * Daß die bekannten umfassenden jüdischen Darstellungen die mittelalterlichen Denkmöglichkeiten unbeachtet lassen,15) führt unmittelbar an einen großen Fragenumkreis heran: Verständnis der mittelalterlichen Kultur durch den außerhalb der katholischen Kirche stehenden Geschichtsforscher. Daß gleichzeitig mit einem Verständnis für das Bewußtsein der Zeit in diesem Sonderfall auch jüdisches Denken und Fühlen im Mittelalter deutlicher verstanden werden könnte, rührt daher, daß das jüdische und christliche Bild von Gott und der Welt sich in der Ableitung alles Bestehenden und Denkbaren von einem ursprünglichen Wissen um ein Absolutes und von einer obersten Wahrheit gleichen. Auch die Wandlung zum Aristotelismus, zum Realismus des wesenhaften Seins, das seinen logischen Ausdruck im Begrifflich-Allgemeinen findet,16) hat das Judentum wie das christliche Abendland gleichzeitig mitgemacht. Ein geschlossenes, in jedem Tun im Glauben fundiertes, streng 15) Für Graetz und Dubnow ist das „finstere“ Mittelalter noch eine Chronik von Judenverfolgungen und Bücherschreibern. 16) Paul Simon, Die Idee der mittelalterlichen Universität und ihre Geschichte, Tübingen 1932. — Clemens Baeumker, Geist und Form der mittelalterlichen Philosophie, Freiburg i. B. 1927. Der zweite Fragenumkreis: Verständnis der m.a.’lichen Kultur durch den außerhalb des Volkstums stehenden Geschichtsforscher bleibt hier unbehandelt. IOO