Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 5)
- Language
- German
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Deutschland noch fast alle Vorarbeiten fehlen“.13) Der eben charakterisierten, kaum übersehbaren und schwer zu ordnenden Fülle von Editionen, großen historischen Werken, Monographien, Beiträgen und Forscherleistungen im Kleinen wird hier nicht einmal der Wert von Selbstdarstellungen zuerkannt, wie sie für abgelegenere Kulturkreise, etwa für die chinesische Geschichte oder für die Geschichte des Islams, willkommen und anerkannt sind. Im innerjüdischen Kreis kann hieraus nur der verdoppelte Vorsatz hervorgehen, Jüdische Geschichte ohne Rücksicht auf den Tag zu fördern, zu lehren, zu erlernen und zu erforschen, mit den strengsten Methoden der Kritik, nur der reinen Wahrheit zu dienen, auch wenn sie der eigenen Sache unbequem oder sogar im Augenblick schädlich ist. Diese Haltung schließt ein absolut sicheres, unabdingbares Wissen darüber ein, daß der Sinn solcher Geschichtsbetrachtung „nicht in dem Nachweis eines Seins liegt, das sich etwa durchgesetzt hat“ und daß es falsch und verwerflich ist, im Sieg des Stärkeren ein Gesetz der Geschichte zu sehen.14) Für das Riesengebiet des Mittelalters ist das Meiste von jüdischer Seite noch ungetan. Im Folgenden wird versucht, über einige neue Fragestellungen der jüdischen Geschichte in den räumlich und zeitlich weitreichenden mittelalterlichen 13) Karl Alexander von Müller, Geleitwort zu Wilhelm Grau, Antisemitismus im späten Mittelalter; München 1934. 14) N o a c k , Geschichtswissenschaft und Wahrheit, S. 185 f. 7* 99