Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Neue Forschungsaufgaben für die Geschichte der Juden im Mittelalter
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
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nicht darüber hinwegtäuschen, daß es an einem Leitseil scharf gestellter Fragen, die an die aufgehäuften Stoffmassen zu richten sind, vor allem aber an einer engeren Fühlung mit dem heutigen Stand der strengen Geschichtsforschung im weiteren Sinn12) bei uns fehlt. Mit dieser engeren Fühlung ist nicht gemeint, daß in der jüdischen Geschichte außerjüdische Maßstäbe angelegt und fremde Werttafeln aufgerichtet werden dürfen. Aber Volkstumfragen, Fragen nach der eigentümlichen Geschichtsanschauung einer Epoche, Geschichte der Denk- und Lebensformen, Sachverhalte der aktiven und passiven Mythisierung, Wesen der jüdischen Ueberlieferung — um nur einige Probleme herauszugreifen — können bei aller ,,Modernität“ durchaus im eigengesetzlichen jüdischen Sinn neu und unbefangen gestellt werden. Im Bereich der mittelalterlichen Geschichte — im deutschen Raum — konnte jüngst von einem älteren Historiker von Rang und Ansehen die erstaunliche Behauptung aufgestellt werden, daß „für eine ernsthafte Geschichte des Judentums in 12) „Graetz“ und „Dubnow“ enthalten — geschichtswissenschaftlich gesehen — Einzelforschungen und typische „Historische Belletristik“ im bunten Wechsel; beide „Weltgeschichten“ sind oft charakterisiert worden (vgl. auch Anm. 4 u. Dubnow-Festschrift; Berlin 1930). Die legitimen Aufgaben der Geschichte am unbefangensten und festesten bei Meinecke, Entstehung des Historismus, Zwei Bände; München 1936; ferner Huizinga a. a. O. (Anm. 2), Ulrich Noack, Geschichtswissenschaft und Wahrheit (Nach den Schriften von John Dalberg-Acton, dem Historiker der Freiheit); Frankfurt a. M. 1935 und Ulrich Noack, Katholizität und Geistesfreiheit; Frankfurt a. M. 1936. 98