Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Ein jüdischer Buchmaler des 15. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 9)
- Language
- German
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kunstgeschichtliche Bedeutung erhält diese Hand«, schrift jedoch nicht zuletzt auch vom Kolophon des Miniators. Daß dem Künstler für seine Signatur ein ganzes Blatt überlassen wurde, spricht für die Anerkennung, die er genoß. Mit überlegenem Humor gestaltete er seine Nachschrift in einem Zieralphabet voll neckischer Einfälle, füllte die Buchstaben mit sich angreifenden Vierfüßlern, Vögeln, Fischen, phantastischen Mischwesen und nackten Menschenleibern. Der Tierbuchstabendekor, besonders die Jagddarstellungen, erscheinen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als eine reichlich überholte Kunstübung, die den archaisierenden, provinziellen Geschmack des Künstlers verrät. Unbekümmert setzt sich der Maler über die Schranken hinweg, die in einer hebräischen Bibel geboten erscheinen dürften, malt nackte Menschenleiber in den tollsten Verzerrungen, Menschengesichter mit bläkenden Zungen, dann aber im Buchstaben Zadde in der vierten Zeile seiner Nachschrift in Anspielung wohl an die frommen Zaddikim eine knieende Figur voller Inbrunst, mit zum Beten gefalteten Händen. Diese Gestalt hebt den Humor Josef ibn H a y y i m s über das übliche Niveau der Schreiberwitze hinaus. Man kennt die in mehreren Handschriften wiederkehrende Beschwörungsformel: „der Schreiber möge keinen Schaden erleiden, heute nicht und in Ewigkeit nicht, und ehe nicht 92