Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118952--7526-3119064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ewigkeit des Judentums Teil. Das Volksbuch der Bibel erzählt vom Walten Gottes in Gleichnissen, der einsame Denker Spinoza bezweifelt die uneingeschränkte Willensfreiheit des Menschen in der gelehrten Sprache seines Jahrhunderts: ein fallender Stein, der Bewußtsein habe, werde sich auch für frei halten. Alles ist in diese Sprache projiziert: man dürfe Gott nicht vorwerfen, daß er aus einem Kreis keinen Kegel gemacht habe, und man könne von menschlichen Handlungen und Begierden ebenso reden wie wenn es sich um Linien, Ebenen oder Dreiecke handele. Aber ist es nicht ein Nachhall des biblischen Verbots, sich von Gott kein Bildnis zu machen, wenn es in einem Briefe Spinozas heißt: „Auf Ihre Frage, ob ich von Gott eine so klare Idee habe wie von einem Dreieck, antworte ich: ja. Fragen Sie mich aber, ob ich von Gott ein so klares Bild habe wie von einem Dreieck, so antworte ich: nein. Denn Gott können wir nicht vorstellen, sondern nur begreifen“. Nach dem Monotheismus und der Bildlosigkeit der jüdische Messianismus! Der Zeitgenosse Sabbatais Zewis, des falschen Messias, der die jüdischen Massen ergriff, hat seine eigene Vision des messianischen Reiches: in der Fortentwicklung der menschlichen Vollkommenheit, in der Besiegung der Leidenschaften durch die Vernunft. Dieser Messianismus macht Spinoza zum Vater der europäischen Aufklärung. Er tut bereits einen Schritt über die Moral-Philosophen der Aufklärung hinaus — auf Nietzsche zu —, wenn er auch in den Be? 6 8l