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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1937-01-01 · 30 (1937) · p. Seite 80

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
30 (1937)
Article
Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
Date
1937-01-01
Page
Seite 80 (sequence 34)
Language
German
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ten Harmonie“ gewiesen. Spinoza steht zwischen Descartes und Leibniz, der eine Sache um so besser zu erkennen glaubt, „je mehr wir ihre Teile und Teile ihrer Teile erkennen“. In Spinoza ist der strenge jüdische Monotheismus auferstanden, der sich, wie einst gegen den Dualismus der heidnischen Gnosis und die Drei-Einigkeit des Katholizismus, jetzt gegen die Zerreißung des Alls in das Einzelne wehrt. Das (geistige) Denken und die (körperliche) Ausdehnung, die bei Descartes ohne Zusammenhang sind, werden bei Spinoza zusammengefaßt: die „Ausdehnung“ der Körper, die nichts anderes ist als eine Übertragung der theologischen „Ailgegenwart“ Gottes in die Sprache der Physik, und das Erkennen des Geistes, das ein Teil des Denkens Gottes ist, ergeben als die beiden Eigenschaften Gottes, die dem Menschen faßbar sind, die Einheit des höchsten Wesens.2) Die mathematische Sprache, in der Spinoza Metaphysisches widergibt, ist Ausdruck des Zeitalters in dem er lebt. Aber Spinoza hat an der 2) Der bedeutendste der englischen Deisten des 18. Jahrhunderts, Graf Shaftesbury, der ein Anreger Moses Mendelssohns wurde, steht spinozistischen Gedankengängen nahe, wenn er das Weltall das durchgeistigste Organ Gottes nennt. Auch das Übersichgesteigertfühlen des Menschen durch diese Erkenntnis ist dem Glücksbegriff Spinozas geistig verwandt. Religion ist für Shaftesbury die Erkenntnis der Harmonie, das Sicheinswissen mit den Zusammenhängen des Universums. Er sieht den Weltschöpfer als einen Künstler, als das Urbild des Künstlers an, das Weltall als ein ästhetisches Kunstwerk. Diese Übertragung der spinozistischen Gotteserkenntnis aus dem Mathematischen ins Aesthetische ist bezeichnend für den Umbruch des siebzehnten Jahrhunderts zum achtzehnten. 8o

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