Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 31)
- Language
- German
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dessen Ermordung um sich griff, konnte er nur dadurch gerecht werden, daß er sich ruhig verhielt. Mit seinem „Theologisch-Politischen Tractatefi und dem „Politischen Tractat“ setzte er die Reihe von Macchiavellis „Buch vom Fürsten“, von Thomas Morus „Utopia“ und Hugo Grotius „Recht im Kriege und im Frieden“ fort. Es war zugleich ein jüdischer Trieb in ihm, wenn er solche Werke verfaßte, die keine Vorschriften zum Denken, sondern — wie die Gesetze der „Hebräer der Alten Zeit“ (ein Unterschied, den Spinoza machte) — zum Leben wären. Er hatte das reale Staatswesen der Niederländer bei der Abfassung seiner staatspolitischen Schriften im Sinne und vergaß nicht — wie noch Grotius in seinem völkerrechtlichen Entwurf — die jüdische Kolonie darin, ohne sie mit Namen zu nennen. Die Geschichte der Hebräer führte er häufig als Lehrmeisterin der Völker an, meist zur Warnung. Das Gegenbeispiel boten die englischen Puritaner, wenn sie sich bei ihren Siegen als symbolische Nachfolger der biblischen Helden betrachteten. In den politischen Arbeiten Spinozas fehlten weder Hinweise auf die jüdische Königsgeschichte noch Anspielungen auf die Erfahrungen, welche die Holländer mit den Oraniern machten, weder ein Ereignis aus der jüngsten holländischen Geschichte wie der Handelsvertrag mit Japan noch eine Erinnerung an das Auftreten des falschen Messias Sabbatai Zewi, das auch bei den Juden in Holland unruhige Erwartungen erregt hatte: „Ja, wenn die Grundsätze ihrer Religion nicht verweichlichen, so 77