Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 32)
- Language
- German
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möchte ich ohne weiteres glauben, daß sie einmal bei gegebener Gelegenheit, wie ja die menschlichen Dinge dem Wechsel unterworfen sind, ihr Reich wiederaufrichten und daß Gott sie von neuem auserwählt“. Im „Theologisch-Politischen Tractat“, in dem er aus der Bibel den Nachweis zu führen suchte, warum die Heilige Schrift nicht dem Buchstaben nach als Autorität anzusehen wäre, war die Bibelkritik ja vom Thema her gegeben. Aber neben biblischen Gleichnissen, wie dem des Jeremias vom „Ton in des Töpfers Hand“, hatte auch die jüdische Tradition in den Büchern des Spinoza ihren geistigen Niederschlag gefunden, zum Beispiel der talmudische Vergleich vom Elefanten, den man sich nicht durch ein Nadelöhr gehend vorstellen könnte. In der „Abhandlung von der Läuterung des Verstandes“ schließt sich an das Wort des Kohelet: „Alles ist eitel“ die Verwertung des Hamebakesch an, des Romans eines spanischen Juden namens Falaquera, dessen Held die Nichtigkeit von Reichtum, Ehrgeiz und Sinnenlust erlebt, während der „Kurze Tractat von Gott“ Spuren des Einflusses von Leone Ebreos „Dialogen über die Liebe“ aufweist. Aber während derartige Belege und Entlehnungen sich schon aus dem Bildungsgang Spinozas erklären, zeugt die Umformung der Lehren des Descartes von der Vitalität der Verbindung Spinozas mit dem Judentum. Descartes Philosophie des Zweifels, welche die Ordnung der Dinge durch die Vernunft eingesetzt hatte, seine Auffassung: „Ich verstehe jetzt unter 78