Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 28)
- Language
- German
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Idee Giordanos mystische Fantasie, mit der er Gott als die „höchste Ursache, das Prinzip und das Eine“ in das neue Sonnensystem einfügte. Wovor Galilei und noch Spinozas großer Lehrer Descartes zurückschreckten, vor dem offenen Bruch mit der Kirche, hatte sich Bruno ebensowenig gescheut wie Spinoza vor dem Bann der Rabbinen. Als er durch Verrat bei seiner Rückkehr nach Italien in Venedig verhaftet wurde, bot er der Inquisition die Stirn. Er nahm nichts von seiner Lehre, die in einer dogmenlosen Welt Gott einsetzte, zurück, und bestieg den Scheiterhaufen. Seine Philosophie aber wurde wie die Spinozas von Leibniz und Schelling fortgeführt. Dagegen ist bei vielen Übereinstimmungen der Denkrichtung nicht fest erwiesen, ob Spinoza den Philosophen aus Nola kannte, dessen Schriften er nie erwähnt. Manches was eine Entlehnung aus Büchern Brunos oder dem philosophischen Lehrbuch Heerebords schien, hatte sich als Erbe von Saädja und Maimonides, Crescas und der Kabbala herausgestellt. Und wie sich die jüdischen Quellen für Spinozas Schaffen stärker erwiesen, als früher angenommen wurde, so war auch die Seelenhaltung des Philosophen mehr jüdisch bestimmt, als die jüdische Mitwelt, die ihn verdammte, ahnte. * Der spanische Philosoph Unamuno vernahm aus Spinozas „Ethik“ das „düstere Echo alttestamentarischer Klagen“ und sein Landsmann Ortega y Gasset, der die ganze moderne Philosophie für 74