Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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nomen weigerten sich, durch Galileis Fernrohr zu blicken, weil sie, wie es in einem anderen Briefwechsel der Zeit hieß, „lieber freiwillig durch die Meinungen einiger alter Schriftsteller bezaubert, blind sein wollten, als sich, geleitet von Wahrnehmungen und Vernunft, auch nur ein wenig von ihnen zu entfernen und ihren Dekreten und Regeln etwas beizufügen oder daran etwas zu ändern“. Das „Quieta non movere!“, das „Nicht rühren an den Schlaf der Welt“ galt im christlichen wie im jüdischen Raum; Galileis Versuche wurden zunächst von den Jesuiten-Forschern vorsichtig unterstützt und Kardinal Bellarmin riet Galilei, bei der Erklärung jener Bibelstellen, die das Gegenteil zu besagen schienen (daß die Sonne sich um die Erde drehte), große Vorsicht walten zu lassen. Vielleicht waren es persönliche, durch Galileis reizbares Temperament verursachte Mißhelligkeiten, welche die Jesuiten veranlaßten, den in Betracht kommenden Stellen einzureden, Galileis Buch wäre „verabscheuungswürdiger und für die Kirche verderblicher als die Schriften von Luther und Calvin“. Wie Uriel da Costa widerrief Galilei zweimal unter dem Druck der feindlichen Mächte. An Leon da Modenas Doppelschrift „Stimme eines Toren“ und „Löwengebrüll“ gemahnt es, wenn er, um sein Versprechen, die copernikanische Lehre nicht zu verteidigen, zu umgehen, in Dialog-Form über das neue und das alte Weltsystem schrieb und für das letztere durch seinen Sprecher, den „Toren“, schwächere Argumente anführte, als für jenes, das zu ver- 72