Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 25)
- Language
- German
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Vaterlandes teilte Spinoza endlich auch das Schicksal von Zeitgenossen außerhalb des Judentums und seiner niederländischen Umgebung. Hält man die Tragödien Galilei und Giordano Bruno neben die Fälle Da Costa und Spinoza, so erscheinen uns Judentum und Welt und Zeitgeist im Bilde dreier kommunizierender Gefäße — so ungleichförmig die durch Röhren mit einander verbundenen Gefäße auch sind, die Flüssigkeit steigt in ihnen gleich hoch, die in eine von ihnen gefüllt wird. Mit der kopernikanischen Entdeckung, daß nicht die Erde, sondern die Sonne den Mittelpunkt des Weltsystems bilde, war das abendländische Weltbild der Scholastik, in dem Religion und Ethik, Philosophie und Physik zu einer Einheit zusammengefaßt waren, in Frage gestellt. Aber Copernikus hatte mit der Veröffentlichung gezögert, erst auf dem Sterbebette hielt er das dem Papst Paul III. gewidmete Buch in Händen, dem ein Freund aus Furcht vor der kirchlichen Macht ein das Ganze nur als Vermutung hinstellendes Vorwort beigegeben hatte. Galilei, der durch eigene Experimente die Falschheit der aristotelischen Fallgesetze erkannt hatte, konstruierte sich ein Fernrohr und fand durch wissenschaftliche Beobachtung der Himmelskörper die Lehre des Copernikus bestätigt. Die Mitwelt dachte, wie Galilei über ihren Widerstand an Kepler schrieb, daß die „Wahrheit“ nicht in der Welt oder in der Natur, sondern, um mit ihren eigenen Worten zu sprechen, ,,in der Vergleichung der Texte zu suchen wäre“. Selbst Astro- 71