Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 24)
- Language
- German
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biographie, ein „Exemplar vitae humanae“, weniger zur eigenen Rechtfertigung, als um die Mitmenschen vor den Gefahren seines Lebens zu bewahren. Unversehens hatte er sich das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ zu eigen gemacht, das Hillel zur Grundlage des Judentums erklärt hatte. Aber erst ein Größerer mußte kommen, der aus der von Uriel geahnten Erkenntnis, daß Gott nicht außerhalb der Welt wirkte, sondern in der Natur sich offenbarte, um mit seiner „Ethik“ einen neuen Schößling aus jüdischer Erde wachsen zu lassen, einen wahren „Führer der Irrenden“ in einer verwandelten Zeit: Spinoza. * * ❖ Der Vergleich mit Uriel da Costa ließ das Schicksal Spinozas als ein jüdisches erscheinen. Aber Spinoza erlitt auch das Schicksal zweier großer Niederländer, unter denen sein Volk lebte: des aus der Gesellschaft und aus der Kirche ausgestoßenen Rembrandt und des Staatsmannes Jan de Witt, des „Rats-Pensionärs“, der an seinem Versuch einer Aristokratisierung des demokratischen Lebens scheiterte und von der Masse gemeuchelt wurde. Sind unmittelbare Beziehungen zwischen Rembrandt und Spinoza nur zu vermuten, so ist gewiß, daß Jan de Witt, der den Theologisch-Politischen Tractat schätzte und dem Verfasser einen Ehrensold gewährte, mit Spinoza Umgang pflog. Und mit dem Schicksal des Mannes aus seinem Stamme, mit den Schicksalen von Männern seines 70