Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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der Masse und von Vertretern des Adels. Spinoza hatte später den Begriff Pharisäer in da Costa’s Prägung weiter angewandt. Während die Hamburger Gemeinde sich der venezianischen anschloß, hatte die Amsterdamer zunächst keine Eile damit. Man nahm an, der eifrige Acher würde sich schon einfügen; der Arzt Samuel de Silva, der Maimonides ins Spanische übersetzt hatte, riet ihm, Hebräisch zu lernen, weil er sich davon die stärkste Rejudaisierung Uriels versprach, und suchte seine Schritte zu leiten, ihn mit geistigen Mitteln von seinem Wege abzubringen. Aber der tragische Zusammenstoß war nicht mehr aufzuhalten, Bann und Bücherverbrennung blieben nicht aus. Ein Mensch mit der mittelalterlichen Sehnsucht nach Bindung, glaubte Uriel, nachdem er auch die zehn Gebote des Moses verworfen hatte, bei dem Nachkommen des Noah religiös geborgen zu sein, die sieben Gebote achteten und nach einem Ausspruch des Maimonides zu den Frommen unter den Völkern zu zählen wären. Unter mittelalterlichen Zeremonien mußte Uriel, als er das Alleinsein nicht mehr ertrug, Widerruf leisten. Zum letzten Bruch mit seinen Glaubensbrüdern war es gekommen, weil er zwei christliche Bekannte, die Juden werden wollten, von diesem Schritte abgehalten hatte, jetzt wollte Uriel als Jude unter Juden leben, ohne wie sie zu glauben, nur, um nicht allein zu sein. Ein Unterschlupf nach maranischer Art. Aus diesem Dasein gab es nur einen Ausweg: den Tod. Ehe er aber zur Pistole griff, vollendete er seine Selbst- 69