Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 19)
- Language
- German
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Kabbalisten huldigt. Sollte er morgen umfalleit und mich um die Verherrlichung der Philosophie bitten, so werde auch ich umsatteln und für die Ehre der Philosophie in die Schranken treten“. Einmal Kabbalist, einmal Antikabbalist, einmal zu den Karäern, ein anderes Mal zu den Rabbinen haltend, verstand er, obschon er sich einmal zu dem Satze verstieg, das Studium von Talmud und Midrasch wäre überflüssig, es nirgends mit dem Judentum zu verderben, während Spinoza, der sein religiöses Erkennen ernst nahm, mit dem Bannfluch belegt wurde. Die Entwicklung, daß Spinoza sich von jüdischen Mächten in seinem Denken nicht hemmen ließ, war zwangsläufig. Diese waren zu unschöpferisch geworden, ihm mit geistigen Mitteln entgegenzutreten — ein Maimonides hatte noch ebenbürtige Gegner gefunden. Es kennzeichnet auch dies den Wandel der Zeiten, daß für Maimonides die philosophischen Bedenken, vom Wesen Gottes auszusagen, nicht minder stark waren als die religiösen. Während für Spinoza die Befreiung der Philosophie von der Bevormundung der Theologie, die seinen Kampf um Gott und Freiheit ausmachte, lediglich eine politische war, bei der er weniger die jüdische als die holländische Gemeinschaft vor Augen hatte. Wenn wir aber vergleichen, wie der Bannfluch Uriel da Costa getroffen hatte, den maranischen Einwanderer aus der Generation von Spinozas Vater, und wie Spinoza mit dem über ihn verhängten l^rtig 5 65